Die DSGVO und das Blog-Desaster

Oft tun wir uns schwer mit neuen Gesetzestexten und Verordnungen. Und nichts ist ärgerlicher als das Gefühl, in unseren Freiheiten beschnitten zu werden.

Dabei ignorieren wir oft selbst Paragrafen, die uns nicht gefallen. So fahren wir alle gern zu schnell mit dem Auto oder gar bei Rot.

Rot sahen viele auch bei der neuen Datenschutzgrundverordnung, die für große Aufregung in Unternehmen (und bei Bloggern) sorgte.

Sie macht es uns auch nicht gerade leicht.

Einfach sollte es sein

Das war es aber nicht. Im Vorfeld wurde zwar versprochen, einfache Formulierungen zu verwenden. Jedoch verstand nur ein Bruchteil, um was es bei der DSGVO hauptsächlich ging.

Der 4. Teil der Mini-Serie zur DSGVO

Sechs Monate nach Inkrafttreten der DSGVO möchte ich noch einmal auf das Thema eingehen.

Ich werde berichten über

  • den aktuellen Stand der Umsetzung der DSGVO
  • Statistische Auswertungen zu unmittelbaren Auswirkungen auf Blogs
  • und über die neue große Youtube-Aufregung.

Leise – Kaum Erfolge bei der Einführung der DSGVO

Kurz vor der Einführung der DSGVO erfasste ein Sturm der Entrüstung orkanartig alle Medien. Plötzlich schossen unzählige Hilfsangebote aus dem Boden. Das reichte von kostenlosen Checklisten bis zur erschreckenden Abzocke.

Ende November ist das große Tohuwabohu in ein unmerkliches Gesäusel abgeflacht. Laut einer Umfrage des Digitalverbandes BITKOM haben bis Ende September 2018 erst ein Viertel der Unternehmen in Deutschland die DSGVO voll umfänglich durchgesetzt.

Die größten Probleme bei der Umsetzung der DSGVO sehen die Unternehmen in der mangelnden Rechtssicherheit, dem enormen Aufwand und in fehlenden Umsetzungshilfen.

Vorsicht – Das Thema bleibt heikel

War das nun alles nur heiße Luft? – Nein.

Gleichgültigkeit ist nicht angebracht.

Die deutsche Behörden wollen zwar mit Besonnenheit auf Verstöße reagieren, jedoch heißt das nicht, dass es nicht zu Sanktionen kommen könnte.

Leider ist bis heute noch nicht juristisch geklärt, ob DSGVO-Verstöße zusätzlich auch gegen das „Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG)“ verstoßen und damit abmahnfähig sind.

Gefahr lauert vor allem vor Abmahnanwälten. Die in Deutschland verbreitete „Unsitte“ der Geldmacherei sollte schleunigst beendet werden. Laut Medienberichten steht das auf der aktuellen Agenda des Bundesjustizministeriums.

Fluchtartig – Vom Verschwinden der Blogs

In unserer aktuellen Analyse untersuchten wir die Anzahl der gelöschten Blogs

  • im Zeitraum Januar 2016 bis April 2018, d.h. vor Einführung der DSGVO sowie
  • im Zeitraum Mai bis Oktober 2018 nach Einführungstermin.

Überprüft wurden dabei rund 1.350 URL-Adressen von deutschsprachigen Blogs. Die Blogadressen wurden aus Internet-Blogverzeichnissen (z.B. Bloggerei.de) oder diversen Blogrolls entnommen. Als gelöscht im Sinne unserer Analyse wurden Blogs gewertet,

  1. deren URL abgeschaltet wurde
  2. die als geschützt/privat nicht mehr für die Öffentlichkeit aufrufbar sind.

In den untersuchten 28 Monaten vor der DSGVO-Einführung wurden von 1.350 Blogs 56 Blogs gelöscht. Das sind etwa 4,15 % Blogger, die ihren Blog aus den unterschiedlichsten Gründen aufgegeben haben.

Nach der DSGVO-Einführung kam es zu einer eklatanten Erhöhung der Absprungrate um 11,48 %. Das waren allein in der kurzen Zeitspanne der letzten 6 Monate 155 von 1350 Blogs. Das ist eine Verdreifachung der Zahlen.

Hilfreich – Die DSGVO und die Blogger

Über die Zunahme von Bloglöschungen war ich selbstverständlich mehr als erschrocken. Viele gute Blogs mit Phantasie, Ideen und Charme sind damit verloren.

Es widerspiegelt aber das enorme Bedenken der Blogger, mit den gesetzlichen Vorgaben nicht klar zu kommen.

Ein Großteil der Blogger hat aber seine Hausaufgaben gemacht. Impressum und Datenschutzerklärung sind auf dem neuesten Stand, Social-Media-Anbindungen angepasst und Kontaktformulare gelöscht. Viele Blogger haben in speziellen Posts von ihren Maßnahmen berichtet und anderen damit hilfreiche Tipps auf den Weg mitgegeben.

Andererseits schwirren Uralt-Blogs durchs Netz, in denen keinerlei Aktivitäten erkennbar sind. Gefährlich und leichtsinnig.

Zum Nachputzen – Hilfreiche Tipps zur DSGVO in Blogs

# 1

Es gibt einen Fotoblog, den wir jeden Hobbyfotografen wärmstens empfehlen: Reisen-Fotografie Blog inspiriert uns zu eigenen Fotoausfügen und gibt nützliche Tipps rund ums Thema. Nicht verschweigen wollen wir, dass wir uns nicht satt sehen können an den tollen Fotos. Immer gut sind auch Beiträge zu Blogtheorie und Umsetzung. Sehr gut aufbereitet und ständig aktualisiert wird der Beitrag zur DSGVO. https://www.reisen-fotografie.de/dsgvo-als-blogger/

#2

Wer eine einfache Checkliste zum Thema benötigt, hier kommt sie: https://www.impulse.de/recht-steuern/ Kurz, einfach, verständlich. Vielleicht hilft es.

# 3

Nicht fehlen soll ein kleiner Blick auf die recht beschränkten Einstellmöglichkeiten für WordPress.com-Nutzer. Im Blog https://hermsen.info/2018/03/wordpress-com-dsgvo/ wird darauf etwas näher eingegangen. Leider fehlen hier immer noch endgültige und rechtsverbindliche Grundlagen für die Nutzer.

Lautstark – Das Geschrei der Youtuber

Eine neue Welle der Panikmache läuft zur Zeit bei Youtube. Mittlerweile wurden sogar schon Petitionen gestartet. Denn: Artikel 13 der neuen EU-Urheberrechtsreform soll das Unternehmen ab 2019 für Copyright-Verstöße zur Rechenschaft ziehen.

Damit soll z.B. Hintergrundmusik in Influencer-Clips untersagt werden. Das sorgte für einen riesigen Aufschrei unter den meist jugendlichen Followern, die Angst um ihre Idole haben. Selbst Youtube möchte etliche Kanäle wegen des zu hohen Risikos löschen.

Noch arbeitet man bei der EU an den einzelnen Bestimmungen des Gesetzes, über das im Mai 2019 abgestimmt werden soll.

Für Panik-Mache gebe es keinen Grund. Das betonte die EU inzwischen mehrmals. Das Youtube sich demnächst aus Europa zurückzieht, wird wohl ein Märchen sein. Mit Sicherheit wird der Konzern sich arrangieren, um eine entsprechende Lösung zu finden.

Inzwischen behaupten böse Zungen, dass Youtuber die ganze Hysterie für noch mehr Klicks nutzen.

Nichts Neues – Also nicht so schlimm?

Vor lauter Unverständnis und Aufregung übersahen viele, dass es bei der Verordnung um den Schutz der eigenen privaten Daten geht.

Die neuen Gesetze der EU sind eine Antwort auf globale Konzerne und ihre mitunter fragwürdigen Praktiken. Die Datenschutzgrundverordnung und das neue Urheberrecht sollen uns vor der allmächtigen Datensammlerflut und Künstler vor marktbeherrschenden Online-Konzernen schützen.

Auch wenn eine umfassende Abmahnwelle bis heute ausblieb, sollte man Datenschutz und Urheberrechte nicht auf die leichte Schulter nehmen. Aber das ist nichts Neues.

Fatal: Gesetzestexte sind meist schwer zu verstehen und es bedarf etliche juristische Abklärungen und Aufklärungen, um Betroffene (ob Blogger, Unternehmen, Youtuber usw.) einen einfachen, verständlichen und schnellen Handlungsleitfaden in die Hand zu geben.

Damit umgeht man Aufregung, Ärger und Hysterie.
Solange das nicht automatisch geschieht, müssen wir Internetnutzer uns gemeinsam helfen.

Rückblick:

  1. DSGVO – Hilfe ich habe keine Ahnung
  2. DSGVO – Ein Faktencheck
  3. DSGVO – Jetzt wird es dringend

Wie sieht es bei dir aus?

Hast du deinen Blog in allen Teilen für die neue DSGVO fit gemacht? Wo lagen die Schwierigkeiten? Was hat dir geholfen?

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