Ehrlich, berührend und preisnominiert: Der Blog „Alzheimer und wir“

Screenshot vom Blog Alzheimer und wir 2020-06-11

Habt ihr auch schon bemerkt, dass sich Journalisten und Blogger nicht richtig grün sind? „Amateure“ sagen die einen, „seelenlos“ wettern die anderen.

Ja, es gibt sie, die Unterschiede: Journalisten finden ihre Neutralität wichtig. Ein Blog dahingegen lebt durch die persönliche Ansprache.

Jedoch gleichen sich Journalismus und Blogosphäre mehr, als wir denken. Was erhoffen wir als Mediennutzer von beiden? Glaubwürdigkeit, aufgebaut durch eine gründliche Recherche, und eine kompetente Darlegung werden meistens genannt.

Dass alte und neue Medien sich gleichen, hat auch das renommierte Grimme-Institut festgestellt. Seit 1964 untersucht das Institut Medienangebote und -entwicklungen, bewertet und vergibt Preise.

Im Zuge der rasanten Entwicklung der neuen Medien wurde der Grimme Online Award eingeführt. Dieser Preis für die publizistische Qualität im Internet gibt es seit 2001.

Warum ich euch das erzähle? Weil ich euch heute einen Blog vorstellen möchte, der genau für diesen Preis nominiert worden ist. Und ihr könnt beim Voten für diesen Blog mitmachen. Dazu dann unten mehr.

Überwältigt

„Mein Journalistinnen-Herz platzt vor Stolz.“, so freut sich Peggy Elfmann, die Bloggerin von „Alzheimer und wir“, als sie von der Nominierung für den Grimme-Online-Award 2020 erfuhr. Peggy ist Journalistin und bloggt privat. Im Jahr 2011 wurde sie von der Erkrankung Alzheimer bei ihrer eigenen Mama konfrontiert. Was macht man nun, wenn man hunderte Kilometer von den eigenen Eltern entfernt lebt und arbeitet, wie organisiert man die Pflege, wie kann man helfen?

Um ihre Erfahrungen zu verarbeiten, aber auch um aufzuklären, kam die Münchenerin auf die Idee, einen Blog zum Thema Alzheimer zu schreiben.

Vorgestellt

Ich kannte den Blog „Alzheimer und wir“ schon von der diesjährigen „Goldene Blogger“-Preisverleihung in Berlin. Entdecke ich einen neuen Blog, lese ich gern nach, mit wem ich es beim Schreibenden zu tun habe. Peggy hat das mit einer Kurzvorstellung in der Sidebar gelöst, die mit einem Link zu einer sehr persönlichen und sympathischen Einleitung zu ihrem Blog führt.

Noch mehr erfahren wir heute in unserer Blogvorstellung. Wir Blogspione hatten das Glück, Peggy in den aufregenden Tagen vor dem Grimme-Online-Award zu interviewen und auszufragen.

Interviewt

Hallo Peggy. Danke, dass du dir für unsere Fragen etwas Zeit genommen hast. Stelle dich und deinen Blog bitte einmal kurz vor.

Zunächst einmal bin ich Mutter von drei wunderbaren Töchtern. Ich arbeite als Journalistin beim Wort und Bild Verlag. In meiner Freizeit schreibe ich den Blog „Alzheimer und wir“. Darin berichte ich über die Alzheimer-Erkrankung meiner Mama und wie wir als Familie damit umgehen. 

Wer sollte deinen Blog lesen? Was erwartet den Leser?

Zunächst war der Blog vor allem für Angehörige, Freunde, Bekannte, Kollegen von Menschen mit Demenz gedacht. Aber ich denke, dass zum Beispiel auch PflegerInnen und ÄrztInnen davon profitieren, weil sie sehen, welche Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten in den Familien von Menschen mit Demenz existieren. Eine Demenz betrifft ja nicht nur den Betroffenen, sondern all die Menschen in seinem Umfeld.

Auf meinem Blog gebe ich einen ehrlichen Einblick in das Leben mit Alzheimer. Ich gehe Fragen nach, die im Alltag mit Alzheimer auftauchen und recherchiere nach Antworten.

Wichtig ist mir auch die Sichtweise der Kinder. Deshalb beantworte ich Kinderfragen zu Alzheimer und Demenz und stelle regelmäßig Kinderbücher vor.

Von Alzheimer haben viele schon gehört, jedoch können die meisten nicht allzu viel damit anfangen. Vielleicht erklärst du uns kurz, was Alzheimer ist.

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenzerkrankung.

Zunehmende Veränderungen im Gehirn führen zu einem Verlust von kognitiven und sozialen Fähigkeiten. Anfangs stehen Gedächtnis- und Orientierungsprobleme, die immer stärker werden. Irgendwann können die Betroffenen auch bekannte Fertigkeiten nicht mehr ausführen und sind vollständig auf Unterstützung angewiesen.

Wie ist die Idee entstanden, über ein so emotionales Thema wie der Erkrankung deiner Mama, einen Blog zu schreiben?

Zwei sich haltende HändeIch hatte immer mal nach Blogs gesucht und kaum etwas gefunden. Gleichzeitig hatte ich den Wunsch, andere an meinen Erfahrungen und Gedanken teilhaben zu lassen. Ich hatte immer das Gefühl, dass Alzheimer für Betroffene und ihre Familien mit Scham und Scheu verbunden ist.

Das fand ich so schade, denn nur, wenn wir uns offen und ehrlich austauschen, können wir uns auch unterstützen und so für unsere Lieben da sein.

War das deine erste Bekanntschaft mit dem Bloggen?

Ja, das war es. Ich habe mich für einen Blog entschieden, weil ich dachte, dass ich das gut alleine machen könnte. Andererseits hat mich fasziniert, dass so ein direkter Austausch mit anderen Interessierten möglich sein könnte. 

Blogspione interessiert sich, wie Blogger ihre Blogs technisch aufbauen. Du lässt deinen Blog über WordPress laufen. Wir sind mal neugierig und wollen wissen, welches Design-Theme du ausgewählt hast. Wie bist du bei der Auswahl vorgegangen?

Ich habe ein paar Themes ausprobiert.

Ganz am Anfang habe ich das Theme Dara getestet, fand es sofort gut. Dann habe ich mit Apostrophe 2, mit Radcliff 2 und Twenty Nineteen herumgespielt – und mich dann für Dara entschieden. Das war aber ehrlich gesagt, eine Bauchentscheidung.

Ich habe auch lange überlegt, wie ich das mit Bildern löse, ob ich etwa Stock-Fotos nehme. Jetzt ist es eine Mischung aus sehr vielen eigenen Fotos und ganz seltenen Stock-Bildern. In den Texten berichte ich ja sehr authentisch und das sollen die Fotos dann auch widerspiegeln. 

Auf dem Weg zum Blogartikel: Wie und wann schreibst du deine Beiträge? Schreibst du spontan aus dem Bauch heraus? Wie viel Zeit verbringst Du mit bloggen?

Anfangs habe ich nur aus dem Bauch herausgeschrieben, ohne auf den Wochentag oder die Themenabfolge zu achten.

Mittlerweile überlege ich mir im Voraus Themen und versuche sie zu planen. Ich habe mir auch zwei Tage pro Woche ausgesucht, an dem ich neue Beiträge veröffentliche: Sonntag und Donnerstag. Das macht es für mich etwas klarer und hoffentlich auch für meine LeserInnen.

Ich versuche, die Rubriken abwechselnd zu bedienen.

Die Ideen kommen mir aber tagsüber, abends, morgens. Sie purzeln mir vor die Füße. Ich habe so viele Ideen, dass ich es gar nicht schaffe alle umzusetzen.

Du bist auf den üblichen sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Instagram und Pinterest Wie wichtig ist das für dich und deinen Blog? Aus welchem Netzwerk schöpfst Du aktuell den meisten Traffic?

Facebook ist für den meisten Traffic zuständig. Ich bin auch auf Instagram sehr aktiv. Das spielt für den Traffic eine geringere Rolle, aber ist für mich enorm wichtig, weil dort noch einmal eine Vernetzung und ein extrem wichtiger Austausch mit anderen stattfindet. Pinterest versuche ich noch zu verstehen :-)

Was bedeuten für dich die Rückmeldungen deiner Leser?

Diese Rückmeldungen sind für mich sehr schön und wichtig. Einerseits bekomme ich Tipps, andererseits gebe ich Tipps.

Ich freue mich immer sehr, wenn mir LeserInnen schreiben, dass ich sie mit meinen Worten berühre und emotional unterstütze oder dass sie durch meine Texte manche Hintergründe besser verstehen. Oft bekomme ich auch tolle Ideen und Anregungen für meine Mama. Diese Rückmeldungen geben mir viel Kraft.

Das größte Highlight Anfang des Jahres war sicherlich die Auszeichnung mit dem „Goldenen Blogger“ als bestes Themen- und Nischenblog. Wie hast du dich gefühlt, als du von deiner Nominierung beim Grimme Online Award 2020 erfahren hast und wie kam es dazu?

Ja, ich war schon total überwältigt, im März den Goldenen Blogger gewonnen zu haben. Das fand ich eine tolle Ehre und hat mir gezeigt, dass es wichtig ist, über so ein Thema wie Alzheimer zu bloggen.

Ich wusste, dass ich für den Grimme Online Award vorgeschlagen war. Aber ich habe nicht damit gerechnet, nominiert zu werden. Deswegen habe ich den Livestream auch gar nicht geschaut, sondern war mit meinen Kindern auf dem Spielplatz.

Als ich dann gesehen habe, dass ich nominiert bin, konnte ich es gar nicht fassen. Ich mit meinem kleinen Blog bin nominiert neben Projekten mit großen Teams von renommierten Rundfunkanstalten. Darüber freue ich mich wahnsinnig. Das ist schon eine große Ehre und bestätigt mich, weiter zu bloggen.

Liest Du selbst Blogs und welche würdest du empfehlen?

Ich lese selber auch Blogs, gerne Elternblogs wie Stadt-Land-Mama oder Große Köpfe, aber auch medizinische wie den kinderdoc oder den hebammenblog. Für Reisen mit den Kindern, Rezepten und Bastelideen lasse ich mich auch gerne von Blogs inspirieren. 

Blogspioniert

Mit dem gut gewählten Blognamen „Alzheimer und wir“ möchte Peggy darauf aufmerksam machen, dass es bei Alzheimer nicht nur um die Krankheit und den Erkrankten allein geht. Hier sollen sich alle Beteiligte im näheren und weiteren Umkreis angesprochen fühlen.

Angenehm ist das minimalistische und aufgeräumte Design des Blogs. Hier ist nichts verschnörkelt und lenkt vom Thema ab.

Die vier Kategoriepunkte sind selbst erklärend. In einer Art persönlichen Brief an ihre Mama offenbart Peggy ihre Gedanken, gibt hilfreiche Tipps für andere Betroffene und  beschreibt, wie sie die Erkrankung auch ihren Kindern näher bringt.

Als Nichtbetroffene hat man es oftmals schwer, sich in die Situation von Erkrankten und ihren Familien hinein zu versetzen. Und doch haben mich viele Beiträge im vorgestellten Blog emotional sehr angesprochen. Da steckt eine Menge Liebe in jeder  Zeile.

Viele Beiträge machten mich sehr nachdenklich. Wie oft rauschen wir im hektischen Leben an unseren Mitmenschen, Eltern, Geschwistern und Freunden vorbei? Einfach mal innehalten und überlegen, was derjenige oder diejenige uns wirklich bedeutet. Und es ihnen auch einmal sagen: sei es mit einer Umarmung, ein paar Blümchen oder einem Lächeln. Das habe ich aus Peggys Blog gelernt.

Voten und mehr

Nun der Grimme-Online-Award am 25. Juni 2020. Die nächsten Tage werden sicherlich sehr aufregend sein.

Von Montag bis Mittwoch (22.-24.06.) laufen jeweils abends Pre-Partys mit den Nominierten, die auf dem YouTube-Kanal von Grimme Online Award gestreamt werden können. Am Dienstag, den 23.Juni sind die Nominierten aus der Kategorie Wissen und Bildung dran.

Der Award wird von einer Jury vergeben, jedoch können wir alle vorab über die Nominierten abstimmen und sie damit unterstützen. Ende des Online-Votings ist am 14. Juni 2020, 23:59 Uhr. Hier geht es zur Abstimmung: https://www.grimme-online-award.de

(PS: Es gibt auch etwas zu gewinnen. Also, viel Spaß.)

Danke Peggy, für die interessanten, ehrlichen und emotionalen Einblicke in deinen Blog. Wir wünschen dir viel Glück und Durchhaltevermögen für „Alzheimer und wir“, für deine Familie und bei der Award-Preisverleihung. Dazu drücken wir ganz fest die Daumen.

(Die Bilder im Beitrag sind vom Blog „Alzheimer und wir“. Danke für die freundliche Erlaubnis, diese in unseren Beitrag zu verwenden.)

Lust auf mehr?

Dich, lieber Leser von Blogspione, wollen wir hiermit zu einem ausführlichen Blick in den Blog von Alzheimer und mehr ermuntern. Viel Spaß beim Lesen.

Wie ist deine Meinung zum Blog? Hat dir das Interview gefallen?

 

Möchtest auch du deinen Blog bei uns vorstellen. Dann melde dich an. Wir freuen uns auf viele kreative Blogger und Bloggerinnen und faszinierende Blogs.

 

Wir bleiben immer neugierig …

 

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